Bis Ende des 19. Jahrhunderts


Der erste urkundliche Hinweis steht in engem Zusammenhang mit der durch die Kreuzzüge ausgelösten Verfolgungswelle in Mitteleuropa. In einer Namensliste jüdischer Märtyrer tauchen mehrere Personen auf, die vor 1298 in Einbeck verbrannt wurden.

Eine erneute Wiederansiedlung von Juden gibt es spätestens seit Ende des 14. Jahrhunderts. Im 15. Jahrhundert umfasste die jüdische Gemeinde in Einbeck mindesten fünf Familien. Ein Ghetto gab es hier nicht, wenn auch die Juden gern in der heute noch so genannten Judenstraße, übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft mit christlichen Einwohnern wohnten. Vermutlich wurde damals in Einbeck auch das Bürgerrecht an Juden verliehen.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert endet das Miteinander. Die schwindende Bedeutung der Juden für das städtische Wirtschaftsleben leitet einen Verdrängungsprozess ein, der durch die Reformation noch beschleunigt wird. 1581/82 verlässt der letzte noch ansässige Jude Phibes die Stadt, und während der folgenden 100 Jahre gibt es keine Juden mehr in Einbeck.

Im 17. Jahrhundert wird der Zuzug jüdischer Familien in Städten und Dörfern durch den Landesherrn, den Herzog von Braunschweig-Lüneburg kontrolliert. Er stellt im Einzelfall Schutzbriefe aus, denn die Städte haben von sich aus kein Interesse an einer Wiederansiedlung.

Die Schutzbriefe gewähren Aufenthalt und eine vorgeschriebene Berufsausübung. Wer keinen Schutzbrief besitzt, darf sich nur drei Tage aufhalten und muss dann die Stadt verlassen.

1673 lässt sich ein Abraham in Einbeck nieder. Ihm folgen vereinzelt weitere Juden, doch vom Neubeginn einer jüdischen Gemeinde kann noch keine Rede sein. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wächst die jüdische Bevölkerung an.

Gedenkstein

Der älteste jüdische Friedhof Einbecks, weit vor den Toren gelegen, wurde 1940 von den Nationalsozialisten zerstört. In den 1990er Jahren wurde der Gedenkstein gesetzt (Foto: H. Hainski).
 
Während des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763) verdienen einige Einbecker Juden ihr Geld mit Heeresbelieferungen. Schon 1768 zählt Elias Meyer mit einem Vermögen von 15.000 Reichstalern zu den reichsten Einbeckern. Ihm wird der Erwerb von Grundbesitz gestattet, was er u.a. für den Bau einer Synagoge (die Alte Synagoge in der Baustraße) und einer Mikwe nutzt. Ende des 18. Jahrhunderts sind acht jüdische Familien in Einbeck ansässig. Es gibt wieder eine jüdische Gemeinde.

Die volle rechtliche Gleichstellung der Juden erfolgt 1848. Zu dieser Zeit leben 15 Familien in Einbeck. Als Preußen 1866 das Königreich Hannover annektiert und in eine preußische Provinz umwandelt, wird die Gleichberechtigung wieder eingeschränkt. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 werden Juden zu deutschen Staatsbürgern erklärt. In diesen Jahrzehnten erreicht die jüdische Gemeinde in Einbeck ihr größtes Ausmaß: unter knapp 7000 Einbecker Bürgern sind 166 Menschen jüdischen Glaubens. 1896 wird eine neue Synagoge im maurischen Stil erbaut, Symbol für eine selbstbewusste, starke Gemeinde.

Der Wegfall aller rechtlichen Einschränkungen erlaubt ungehinderte wirtschaftliche Aktivitäten, doch in Einbeck gibt es keine ausreichenden Entwicklungsmöglichkeiten. So verlassen viele jüdische Einbecker ihre Heimatstadt auf der Suche nach wirtschaftlichem Erfolg.

Von der jüdischen Vergangenheit Einbecks zeugen heute drei Friedhöfe, die Alte Synagoge sowie das Mahnmal in der Bismarckstraße gegenüber dem früheren Standort der neuen Synagoge, an dem jährlich des 9. November 1938 gedacht wird.


Auf dem jüdischen Friedhof an der Rabbethgestraße sind noch ca. 100 Grabsteine erhalten (Fotos: F. Bertram).