1900-1944


Schon gegen Ende des 19. Jh. wurde der Antisemitismus wieder "gesellschaftsfähig". Von einfachen Menschen auf der Straße bis in die höchsten Gesellschaftskreise kursierten herabsetzende Meinungen in Wort und Bild.

In den Einbecker Medien wurden antisemitische Unterströmungen um 1920 in den Medien, insbesondere in der Berichterstattung von den Wahlkämpfen zur Nationalversammlung und zum Deutschen Reichstag verstärkt fassbar.

Manch ein Verein verwehrte Juden seit Anfang der 1920-er Jahre den Zutritt zu Veranstaltungen. Die Entrechtung der jüdischen Mitbürger durch Gesetze und Verordnungen nach 1933 griff in Einbeck genau so schnell um sich wie andernorts. Geschäfte wurden boykottiert, andere Unternehmen erklärten sich zu "reindeutschen" oder "reinchristlichen" Unternehmen ohne "jüdische großkapitalistische" Beteiligung.

Veranstaltungen der Einbecker Synagogengemeinde wurden überwacht. Die Einbecker Judenstraße erhielt den abwertenden Namen "Pfänderwinkel".

Von 1935 bis 1937 schlossen sieben Geschäfte jüdischer Inhaber. Ab 1938 stiegen die Zwangsmaßnahmen gegen Juden rapide an. Wer bis dahin nicht aufgegeben hatte, dessen Geschäft wurde "arisiert".

Bis 1942 entkamen noch 21 Personen ins sichere Ausland. Dann begannen die Deportationen der letzten in Einbeck verbliebenen Juden.

Liste der aufgegebenen und "arisierten" Geschäfte 1935 bis 1939:

  • Jordan, Tabakwaren, 1935
  • Jordan, Kohlenhandlung, 1935
  • Sollinger, Manufakturwaren, 1935
  • Sterin, Viehhandlung, 1935
  • Fuchs, Hosenträger-, Rucksack- und Peitschenfabrik, 1936
  • Westenberg, Textilhandlung, 1936
  • Wehl, Herrenkonfektion und Schuhwaren, 1936
  • Goldschmidt, Herrenkonfektion und Schuhwaren, 1938
  • Adler, Produkten-, Fell- und Darmgeschäft, 1938
  • Archenhold, Kaffee-, Tee- und Kakaogeschäft, 1938
  • Herzberg, Fell- und Produktenhandlung, 1938
  • Rosenberg, Manufaktur- und Modewaren, 1939

 

Kegelclub Jung-Deutschland

Der Inhaber des Herrenkonfektionsgeschäftes Hermann Wehl war Mitglied des Kegelclubs "Jung-Deutschland" (2. Reihe, rechts).



Die kleine Margot Adler im Kindergarten in der Einbecker Waisengasse (3. von rechts).

Bauzeichnung Neue Synagoge Einbeck, Architekt Münchhausen Köln 1895

In der Bismarckstraße wurde 1896 eine neue Synagoge im maurischen Stil erbaut. Die alte Synagoge wurde zu diesem Zeitpunkt entwidmet.

Brennende Synagoge am 9. November 1938

Am 9. November 1938 brannte die neue Synagoge an der Bismarckstraße vollständig aus.

Grabsteine von Gustav und Julius Frank

Grabsteine von Frieda und Joseph Kayser

Auf dem Einbecker Zentralfriedhof sind noch zahlreiche Gräber jüdischer Mitbürger erhalten: hier die Grabsteine von Gustav und Julius Frank sowie von Frieda und Joseph Kayser (Foto: E. Heege).

Mahnmahl

Gegenüber des ehemaligen Standorts der neuen Synagoge in der Bismarckstraße steht heute das Mahnmal, an dem an jedem 9. November der Reichspogromnacht gedacht wird (Foto/Montage: F. Bertram).