Ausstellung über die "Nakba" eröffnet


Eröffnung der Nakba-Ausstellung mit Dr. Karl-Otto KörberSie will ein kleiner Baustein für den notwendigen Dialog sein: „Die Nakba. Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ lautet der Titel einer Ausstellung des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon (Pfullingen), die vom 1. bis 18. September in der Einbecker Marktkirche St. Jacobi am Marktplatz zu sehen ist. Örtlicher Veranstalter ist der Föderverein Alte Synagoge in Einbeck in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Einbeck und der Stadt Einbeck. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Marktkirche zu sehen: Montag bis Freitag jeweils 10.30 bis 18 Uhr, Sonnabend 10.30 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Berichterstattung der Einbecker Morgenpost, 06.09.2016

Die Ausstellung habe eine friedensstiftende Funktion, solle ein kleiner Baustein im wichtigen Dialog über die historischen Gräben hinweg sein, sagte Günter Dietzek bei der Eröffnung im Namen der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Einbeck. Nicht in einem einzigen Satz der Ausstellungstexte sei auch nur ein Hauch von Antisemitismus zu finden. Die Fakten der Vertreibung der Palästinenser würden empirisch klar und deutlich dargestellt, ohne wertende Stellungnahmen. Die Wurzeln des Friedens sei eine schonungslose Aufklärung über die Geschehnisse der Vergangenheit, sagte Dietzek.

Die Ausstellung sei eine Gratwanderung, gerade auch in Deutschland, sagte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek in ihren Eröffnungsworten. Sie solle den Blickwinkel öffnen, den Horizont erweitern, wünschte sie sich. "Bei Konflikten haben wir nie nur eine Sichtweise, es ist notwendig, diese immer von mehreren Seiten zu betrachten." 

In die Ausstellung führte Dr. Karl-Otto Körber von der Arbeitsgemeinschaft Völkerrecht und Menschenrechte in Palästina und Israel sowie verantwortlicher Redakteur der Palästina-Israel-Zeitung ein. Dass eine Kirche ihre Räume für die Wanderausstellung zur Verfügung stelle sei nicht selbstverständlich, aber das freue ihn.

Warum gibt es diese Ausstellung? In Israel werden die Ereignisse um 1948 in Verbindung mit der Ausrufung des israelischen Staates als Wiedergeburt nach zweitausendjährigem Exil und nach Jahrhunderte langer Verfolgung gefeiert. Den überwiegenden Teil der Palästinenser haben diese Ereignisse zu einem Volk von Flüchtlingen gemacht. Sie sehen sich ihrer Heimat und ihres Besitzes beraubt, ohne Aussicht auf nationale Selbstbestimmung, Entschädigung oder gar Rückkehr. Die aus der Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus erwachsene deutsche Schuld hat dazu geführt, dass Gesellschaft, Politik und Medien überwiegend das israelische Verständnis dieser Zeit verinnerlicht haben.Der Blick auf das Leid der palästinensischen Menschen wurde verstellt. Die Thematisierung ihrer Flucht und Vertreibung, erst recht ihrer Forderungen nach Rückkehr und Entschädigung, gilt bis heute vielfach als Tabubruch. Ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieser Seite des Konflikts werden Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten keine Chance haben. Hierzu soll die Ausstellung einen Beitrag leisten.

Die Ausstellung besteht aus 14 großformatigen Tafeln. Ein Ausstellungskatalog mit allen Texten, Karten, Tabellen und Fotos der Folien sowie den Quellenangaben ergänzt die Ausstellung (Schutzgebühr 3 Euro).

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